Mit der 1992 von Gustav Kuhn gegründeten Accademia di Montegral wurde diese Idee Wirklichkeit. Seit November 2000 hat die Akademie ihren Sitz im Convento dell’Angelo, einem eindrucksvoll gelegenen Kloster der Padri Passionisti mit einem atemberaubenden Blick über die Stadt Lucca und Umgebung. Hier hat die Akademie ideale Voraussetzungen für ihre Arbeit gefunden. Das Konzept wendet sich an Künstler mit interessanten Projekten aus allen Bereichen der Kunst, besonders aber aus der Welt des Musiktheaters: Sänger, Musiker, künstlerische Leiter, Komponisten, Regisseure, Bühnenbildner.
Sie müssen heute mit erheblichen Schwierigkeiten zurechtkommen, müssen sich in einem von Bürokratismus gelähmten System behaupten, das wechselnden politischen Einflüssen unterliegt und immer mehr von der erbarmungslosen Logik des Marktes bestimmt wird. Die Folgen sind forcierte, überstürzt lancierte Karrieren, ungeeignete und übereilte Karriereschritte, die alle zu Lasten der Qualität der Aufführungen und ganz besonders der persönlichen Leistung des Künstlers gehen. Angesichts dieser Situation bietet die Akademie ihr Projekt zur Basiserneuerung des Musiktheaters von heute an, das sich in zwei eng miteinander verbundenen Phasen darstellt:
1. Vorbereitung. Künstler aus aller Welt haben in der Akademie die Möglichkeit, sich in Ruhe in der gelassenen und heiteren Atmosphäre im Convento dell’Angelo intensiv vorzubereiten. Unter der Leitung von Maestro Kuhn, seiner Mitarbeiter und der Kulturschaffenden, die mit der Akademie zusammenarbeiten, perfektionieren sie ihre Technik und beschäftigen sich eingehend mit ihrer Arbeit. Sie profitieren von der Bibliothek des Convento, die neben dem reichen mönchischen Fundus (Theologie, Geschichte, Philosophie, Literatur) auch eine Anzahl musikalischer Texte besitzt, aber auch Werke anderer Kunstrichtungen. Sie erweitern systematisch ihr Repertoire und lernen im speziellen Fall der Sänger, sich auf der Bühne zu bewegen. Alle erhalten eine fortlaufende Betreuung, was persönliche und berufliche Fragen betrifft.
2. Praxis. Ab einem bestimmten Punkt ihrer Ausbildung bekommen die Künstler die Möglichkeit, in die Praxis umzusetzen, was sie gelernt haben. Sie können an den diversen internationalen Projekten der Akademie teilnehmen. Das wichtigste Podium sind die Tiroler Festspiele Erl in Österreich, wo ideale Voraussetzungen vorgefunden werden, um wertvolle Erfahrungen für die Karriere zu sammeln.
Eckpfeiler des Projektes sind die Gründung des großen Orchesters der Tiroler Festspiele, die enge Zusammenarbeit mit dem Orchestra Filarmonica Marchigiana und dem Haydn-Orchester Bozen und die aktive Teilnahme an Initiativen der Bertelsmann-Stiftung in den Bereichen Musik, Literatur, Philosophie und Kunst. Als wichtigstes Beispiel dafür ist der von der Bertelsmann Stiftung initiierte Wettbewerb “Neue Stimmen” zu nennen, den Gustav Kuhn künstlerisch leitet. Zum Projekt gehören Musiktheater - Bühnenbild, Licht und Kostüme - sowie Aktivitäten auf dem Gebiet der alter und zeitgenössischer Musik - Lied, Oratotium und Kammermusik - bis hin zur Musikpädagogik, Improvisation und Musiktherapie (Lindner Instrumentarium).
Die Arbeit der Akademie ist mit der einer Agentur nicht vergleichbar, denn obgleich die Akademie mit Agenturen zusammenarbeitet, sieht sie ihre Aufgabe in der “Formung” eines Künstlers, nicht im Verkauf. Voraussetzung für die Teilnahme an den verschiedenen Angeboten der Akademie, unter Umständen auch an den zeitgenössischen künstlerischen Produktionen, ist das Vertrauen des Künstlers in die kulturellen Ziele der Akademie und sein Wille, diese aktiv umzusetzen.
Diese Grundeinstellung hat zahlreiche Freunde überzeugt,
die mit Enthusiasmus die Accademia di Montegral unterstützen. Unter ihnen
sind Künstler internationalen Ranges wie Francisco Araiza, Renato Bruson,
Luciano Pavarotti, Monserrat Caballé, Lucio Dalla, Gérard Motier
und Lina Wertmüller.