Kulturelles Zentrum Tirols. Fulminanter Auftakt der 13. Tiroler Festspiele Erl – Kronen Zeitung, 10. Juli 2010
(…) Gustav Kuhn hat gleich am Eröffnungsabend bewiesen, wofür Erl steht: Die Tiroler Festspiele Erl setzten auf Tradition und sind gleichzeitig Nährboden für Neues, Unerwartetes. Die zwei Uraufführungen von Kurt Estermann, Stiftsorganist in Wilten, waren deutliches Zeichen in diese Richtung. Die beiden Werke schufen mit subtilen Zitaten eine Brücke zu Bruckner, dessen Symphonie Nr. 7 in Es-Dur dann für den ersten Höhepunkt der Festspiele sorgte. Gustav Kuhn gab der Musik den Raum zur Entfaltung, agierte souverän und energiegeladen und stellte sich mit dieser atemberaubenden Interpretation in eine Reihe mit Simon Rattle. (…)
Frischer Wind für alte Flöte – Der Standard, 12. Juli 2010
Gustav Kuhn inszenierte Mozarts „Zauberflöte“. Reduziert auf das Notwendigste, entstand eine Aufführung von großer Spontaneität mit einigen herausragenden Einzelleistungen. (…)
Gustav Kuhn ist für seine Opernexperimente in Erl bekannt. (…) So war die Neuaufführung der Zauberflöte im kleinen Passionsspielort eine echte Premiere. Kuhn war mittendrin im Geschehen, in einem steten Kontakt nicht nur zu seinen Instrumenten, sondern auch zu den Sängern und den vielen Kindern, die auf der Bühne immer wieder für Leben sorgten. Dabei entstand der Eindruck großer Spontaneität, die sich dem Zuhörer in einer ganz neuen Art und Weise einprägte (…) Mit frischem Wind ging Maestro Kuhn an das Vorspiel und ließ erkennen, dass er im Tempo keine Verschleppungen zu dulden gedachte. (…)
Gustav Kuhn zündet Götterfunken. Ausverkauftes Passionsspielhaus mit Ludwig v. Beethoven trotz „kleinem Finale“ – Kronen Zeitung, 12. Juli 2010
(…) Mit Temperament, mit Leidenschaft, mit Begeisterung widmet sich Gustav Kuhn der Symphonie Nr. 9. Zusammen mit seinem Orchester inszeniert er ein „Klangtheater“ erster Güte. Er breitet ihn aus – den Klangteppich. In allen Farben schillernd. Trotz aller Kraft funkt da immer wieder Zärtlichkeit auf. Gustav Kuhn ist nie beliebig. Er tüftelt feinsinnig an jeder Nuance – und das tut an diesem Abend seine Wirkung. (…)
Sarastra duldet weder Frauenfeindlichkeit noch Rassismus – Die Furche, 15. Juli 2010
Dass Gustav Kuhn ein Mozartspezialist ist, zeigt er nach viel Wagner erst jetzt bei seinen Tiroler Festspielen. (…) Das Stück findet im Orchester statt, klar, bestimmt, leuchtend, in Kuhns reifer Mozarterfahrung, die in klassisch-humanistischem Gestus die Farben des modernen Orchesters ausschöpft und in der wunderbaren Passage der Geharnischten ihr Ziel findet.
Starker Höreindruck - Kultiversum.de, 18. Juli 2010
(…) Was unter der Leitung von Kuhn musikalisch und stimmlich erreicht wurde, hinterließ insgesamt einen starken Höreindruck; Das galt schon alleine für das Orchester und die Chorakademie der Tiroler Festspiele. (… )Trotz der gewaltigen Stimm- und Darstellungskraft war die Textverständlichkeit perfekt, dieser Chor klang ungeheuer frisch und lebendig. Und wie im Orchester vor allem die tiefen Streicher die tückischen Läufe glasklar artikulierten und die klanglichen Gewebe sorgsam ausschattierten, das nahm durchweg gefangen. (…) Diese Aufführung ist hörenswert.
Schwere Stunden für Münchner Patrioten. Musikalisch fulminant: Richard Wagners „Der fliegende Holländer“ bei den Tiroler Festspielen Erl - Münchner Merkur, 19. Juli 2010
(…) mit einem neuen „fliegenden Holländer“, der dem regelmäßigen Konsumenten von Bayerns Staatsopernkost den Patriotismus schwer macht: Dieser Inntal-„Holländer“ liegt – musikalisch – locker um eine Klasse über dem jüngsten Nationaltheater-Durchgang. (…) Der Meister selbst führt dabei vor, wie viel Wärme und Eleganz in Wagners Frühwerk steckt, dies mit viel Gefühl für Tempo-Architektur und instrumental Zutaten. Das Blech schiebt sich nie vorlaut vor die wachsweich agierenden Streicherkollegen des Tiroler Festspielorchesters. Ein Klang, so füllig und tiefenscharf, so balanciert und von der idealen Akustik befördert, dass manch Bayreuth-Kenner schwer werden dürfte. Auch die Chorakademie der Tiroler Festspiele besteht mit Schlagkraft und Präzision gegen die Konkurrenz. Und so genau, so sauber gelingt der Spinnerinnen-Chor sonst eigentlich nur auf CD-Studioproduktionen. (…)
Kuhn bleibt weiterhin Kult in Erl – Wiener Zeitung, 20. Juli 2010
(…) Kuhn erzählte die Fabel präzise und pointiert, zwei Podien dienen glaubwürdig als Schiffe, ein blutrotes Segel macht gehörigen Eindruck, es gibt kluge Effekte mit Licht und Schatten. (…) Es ist eine Inszenierung, die mühelos den Spagat schafft zwischen werktreuer Narration und unangestrengtem Modernisieren, einerseits wirken die Figuren archetypisch-archaisch, andererseits spielt alles im Seglermilieu. Die beiden Ebenen stören einander nicht, im Gegenteil: Wo zu viel Mythos (Pathos) entstehen könnte, wird’s etwas lockerer – und umgekehrt. Nach diesem Abend also bleibt Kuhn bis auf weiteres erst einmal weiterhin Kult.
Weltnaturdrama und romantisches Hochamt – Süddeutsche Zeitung, 28. Juli 2010
Die Alpensymphonie von Richard Strauss verlangt von allen Stimmgruppen und dem Dirigenten enorme Konzentration ab und großräumigen Überblick. Wenn das großspurige Vorhaben wie dieses Mal gelingt, die Riesensymphonie nicht nur halbwegs unbeschädigt auf die Bühne zu stemmen, sondern aufgrund technischer Souveränität auch noch gestalterischer Freiraum für den Dirigenten entsteht, dann verfliegt bald der vorschnelle Eindruck provinziellen Größenwahns. Die Alpensymphonie jedenfalls beginnt grandios (…) Kuhn behält den Überblick, er zaubert wie nebenbei ein Klangfarbenspiel und Geräusch-Kaleidoskop, wobei das Kuhglocken-Intermezzo noch die kleinste Übung ist. Trompetenblitze, Paukendonner und Becken-Wolkenbruch hat man selten so präzise und plastisch erlebt, Kuhn nimmt diese Zeichenebene sehr ernst, formuliert hierauf ein plausibles Drama. Wenn sich dann die Orgel in den Orchesterklang mischt, sieht man förmlich die Verängstigten in der Kirche knien, beten und betteln. Das in tröpfelnden Geigen-Pizzicati verebbende Unwetter hat am Ende alle durchgeschüttelt. Was Strauss oft genial skizzenhaft an Bildern und Dramoletten hingeworfen hat, das greift Kuhn begierig auf und formuliert daraus ein Welt-Naturspektakel. Aus dem Strauss’schen Psychodrama wird bei Kuhn gern expressionistische Tragödie. (…)
Der „Erl-König“ Gustav Kuhn. Tiroler Festspiele gingen gestern mit Rekordergebnis zu Ende – Kronen Zeitung, 2. August 2010
20.000 Besucher und eine Auslastung von über 90 Prozent – das ist das sensationelle Ergebnis der 13. Tiroler Festspiele Erl. Durch eine besonders ausgetüftelte Programmierung ist es Kuhn gelungen, dieses Spitzenergebnis einzufahren. Neben den nüchternen Zahlen ist es aber vor allem die künstlerische Qualität, die Gustav Kuhn nun endgültig zum „Erl-König“ macht. (…) Wer aber Samstag Abend im Passionsspielhaus Gustav Kuhn und seine Künstler hörte, erlebte die Schönheit der Trauer von großer Intensität und atmosphärischer Tiefe. (…) Und so wundert es wohl wenig, dass dieses Requiem in der Interpretation von Gustav Kuhn vor allem ein Requiem für die Lebenden wird. Aus dem einleitenden Trauermarsch entwickelt sich zunehmend Leidenschaft für das Leben. Eine Leidenschaft, die lange in den Herzen nachklingt!
Der fliegende Holländer – Das Opernglas, September 2010
(…) Es war ein richtiges Vergnügen, die auch von kleineren Festivals heute viel gespielte Partitur in ihren Details nicht nur zu hören, sonder auch im Orchester sichtbar mitzuerleben. (…) Auch hinsichtlich der Regie beweis Kuhn eine glückliche Hand. Ohne Mätzchen, psychoanalytische Schürfarbeit zwischen den Textzeilen oder krampfhafter Aktualisierungssucht ließ er das Geschen geradlinig in der sparsamen und minimalistischen Ausstattung von Walter Schütze und den modernen Kostümen von Lenka Radecky ablaufen. (…)
Blutiges Trauma - Tiroler Tageszeitung, 5.7.09
von Ursula Strohal
Schritt für Schritt entwickeln sich bei den Tiroler Festspielen im Erler Passionsspielhaus Gustav Kuhns Konzepte. Seit er die späten Wagner-Opern chronologisch verschachtelte und dabei "Die Meistersinger" lesen ließ, sind die Wort-Ton-Beziehungen auch für das Publikum in den Vordergrund gerückt. Folgerichtig wurde am Freitag auch die Elektra"-Wiederaufnahme von der Lesung des Hofmannsthalschen Dramas eingeleitet.
Primadonna fasziniert
[…] In der Oper, von Gustav Kuhn als Dirigent und Regisseur rundum betreut und nun wiederbelebt, bleibt das hoch hinter dem schmalen Bühnenstreifen aufragende Riesenorchester die faszinierende Primadonna, die mit emotionaler Wucht, mit einem Innenleben sondergleichen und einer geradezu rücksichtslosen Präsenz die Protagonisten oft genug an die Wand spielt. Schon rein optisch fasziniert dieses schimmernde, blitzende, aus Klang werdende Lebewesen.
Kuhn hält den immensen Detailreichtum in Spannung, ohne ihn zu verwischen, und macht doch ein Ganzes daraus, das auch jene Ursächlichkeiten mitträgt, die nur das Drama, nicht aber das Libretto ausspricht.
Elektrisierende Elektra - Rosenheimer Nachrichten, 6.7.09
Von Sven Eisermann
[…] Elektra von Richard Strauss in der ungekürzten Fassung. Schon faszinierend, welche musikalischen Höchstleistungen Kuhn aus seinem Orchester und den Solisten herausholt - und das alles bei einem vergleichsweise niedrigen Budget. Noch faszinierender: die Umsetzung seiner Idee einer „Essential Opera“. Mit einfachen, aber wirkungsvollen Mitteln und unter dem konsequenten Verzicht aufgeblasenen Regietheaters, versteht es Kuhn allein durch das richtige in Szene setzen - beispielsweise eines gewaltigen roten Tuches - Gänsehaut zu erzeugen. […] Wer nach dieser Elektra noch nicht begriffen hat, welch kleine und große musikalische Wunder sich in der weißen Akkustikfestung zwischen Kranzhorn und Wildbarren abspielen, wird es wohl nicht mehr begreifen.
Opera Maverick Makes Small Festival a Top Draw- International Herald Tribune / NYTimes.com
by George Loomis
[...] It is difficult to say which is more unconventional, the bucolic setting of the Erl Tyrolean Festival or its artistic approach. Erl made headlines in 2005 by giving the entire four-opera cycle “The Ring of the Nibelung” within 24 hours. The man behind the festival is the Salzburg-born Gustav Kuhn, a musical maverick who, as a Herbert von Karajan protégé, once led what might be called a normal life as an international conductor, with engagements from leading orchestras and opera houses.
But the routine ultimately clashed with what he wanted to do, he said in an interview. “I would have ideas for ‘Lohengrin’ and then be assigned ‘Ballo in Maschera.’” While conducting at the Salzburg Festival, he discussed potential projects with its director at the time, Gerard Mortier. “He told me, ‘You should start your own festival.’ And so I did,” he said. [...]
Wagner-Fest bei Festspiele Erl - Kronenzeitung, 13.7.09
von Moni Brüggeller
Meisterliche "Meistersinger"! Gustav Kuhn lief mit seinem gesamten Ensemble Samstag Abend bei den Tiroler Festspielen Erl bei der Premiere von Richard Wagners wohl politischster Oper mit feinsinnigem Komik-Potential zur Höchstform auf. Wagner vom Feinsten ließ das Publikum jubeln. Zu Recht! [...]
Gustav Kuhn ist der Magier am Pult. Einmal mehr setzt er auf Präzision und Klarheit. Dabei schafft er Raum für zärtliche Beseeltheit. Das Ergebnis ist ein einzigartiges Klanguniversum. Gustav Kuhn wird dabei trotzdem der Wucht Wagners voll gerecht. Aber Wagner wirkt diesmal nicht schwer. Im Gegenteil! Glasklare Leichtigkeit schafft atmosphärische Dichte. Wagners Opulenz bekommt durch Kuhn Transparenz.
Diesmal kann Gustav Kuhn auch als Regisseur voll überzeugen. Er verzichtet auf Schnickschnack. Er verzichtet auf alle Unsinnigkeiten. Er setzt auch in der Personenführung auf Geradlinigkeit. Und so entsteht ein homogenes Ganzes. "Meistersinger" wie aus einem Guss. Gustav Kuhn arbeitet mit Suggestions- und Imaginationskräften, sorgt damit für Spannung - und gewinnt auf allen Linien. […] Das großartige Orchester der Tiroler Festspiele und die Chorakademie leisten beste Arbeit. […] Beeindruckend das Schlussbild, bei dem Gustav Kuhn noch einmal alles und alle - auch die hinreißenden Kinder aus Erl - aufbietet. Gustav Kuhn präsentiert mit "Die Meistersinger von Nürnberg" einen Wagner von heute - ohne modische Kunstgriffe, dafür von zeitloser Aktualität. Und so wird aus dieser Premiere ein Fest der Festspiele!
Von Deutschen Meistern und Managern – DrehPunktKultur, 14.7.2009
Einhellige Begeisterung in Erl für Wagners „Meistersinger“, dirigiert und auch in Szene gesetzt von Gustav Kuhn. Der Komödien-Aspekt kommt bestens heraus.
Von Horst Reischenböck
Erl schafft wieder einmal gleichsam die Quadratur des Kreises. Im Fall des „Meistersinger“ nämlich mit der Gratwanderung, dem Werk keinen modernisierenden Zwang anzutun, dennoch aber aktualisierende Momente nicht auszusparen und dabei auch – endlich einmal – der eigentlich durchschlagend innewohnenden Komödie vollgültig Rechnung zu tragen. […] Ein Lob also der schlüssig wirkenden Inszenierung, vor allem aber eines der musikalischen Gestaltung! Gustav Kuhn gelingt es erneut, das Klangbild aufzufächern. Dazu verhilft nicht zuletzt auch die hochgezogene Positionierung der allesamt prächtig aufspielenden Mitglieder des Festspielorchesters.
Beethoven - und sonst nichts - Tiroler Tageszeitung, 20.7.09
von Ursula Strohal (Fidelio)
Gustav Kuhn am Pult seines Festspielorchesters ist wieder angekommen bei Beethoven. Schafft faszinierende Temporelationen, entwickelt, formt, sendet Energie, kommentiert, ohne narrativ zu werden, fordert eine logische, doch immense dynamische Bandbreite und ungeheuere Klangschönheit, denkt Beethovens Ideale in jedem Takt, sprich Atemzug, mit, bettet die Sänger liebevoll ein. Kuhn fordert und bekommt viel. Die dritte Leonoren-Ouvertüre nach dem "Namenlose Freude"-Duett gelingt überwältigend, das Liebespaar schreitet auf das Orchester zu, tritt umschlungen geradezu ein in die Musik. Schlichter, stärker geht es nicht.
Kuhns "symphonische Dichtung" - Kronen Zeitung, 20.7.09
von Moni Brüggeller
In "Fidelio" geht es um die Freiheit. Und auch bei Gustav Kuhn geht es um Freiheit. Eine Freiheit, die das Risiko der Irritation miteinbezieht. Schon in der Pause wird heftig diskutiert. Der Grund liegt auf der Hand: Gustav Kuhn setzt auf Minimalismus. Er setzt auf Purismus. Das zeigt sich schon beim Bühnenbild. Da ist nur ein leicht ansteigender Holzboden. Bei Bedarf tut sich ein Loch auf. Das ist dann der Kerker. Für das Publikum gibt es keine Hilfsmittel: Da ist kein realistisch nachgebautes Gefängnis oder ein Chor im Sträflingsanzug. Gustav Kuhn setzt auf die Bilder im Kopf und reiht sich damit famos in die Tradition eines Peter Stein ein. Dem Licht kommt eine entscheidende Bedeutung zu. Kaum mehr zu überbieten ist die Leistung des Orchesters der Tiroler Festspiele. Gustav Kuhn baut auf Transparenz. Phrasierungen und Tempi werden glänzend herausgearbeitet. "Fidelio" wird nach Kuhns eigener Aussage zur "symphonischen Dichtung". So schafft es Kuhn der Tradition Beethovens verhaftet zu sein und trotzdem völlig neue Ansätze zu finden. […] Gustav Kuhn tat einen kühnen Schritt abseits derzeitiger Inszenierungs-Moden und gängigen Interpretations-Klischees. Kuhn provozierte eine neue Sichtweise und das ist das Überraschende an diesem Abend.
Sanfte Töne, harte Rhythmen – Wiener Zeitung, 17.7.2009
Von Jörn Florian Fuchs
Die Musiker in Gustav Kuhns Orchester haben es wahrlich nicht leicht. Der Berserker des Taktstocks fordert von seinen Schützlingen nicht nur hellwache Präsenz bei teils rhythmisch vertrackten Opern von Wagner, Richard Strauss oder Beethoven, auch noch ein Bündel symphonischer Konzerte bereichert das Erler Programmangebot.
Am Sonntag etwa durften bzw. mussten sich sämtliche Orchesterakteure bis zur Ekstase entäußern, als Kuhn mit wahnwitzigen Tempi und furiosen musikdramatischen Ideen Tschaikowskys Vierte zur Aufführung brachte. Intelligent und scheinbar mühelos verknüpften sich da die eigentlich recht heterogenen Elemente des Werks, in dem nichts so richtig zusammenpassen will. Kuhn inszeniert einen wahren Psychothriller, hinter jeder Phrase lauern düstere Schatten oder ironisch wirkende Klangideen, und doch bleibt alles im Fluss.
Freude über „Ode an die Freude“ – Kronen Zeitung, 6.7.2009
Gustav Kuhn brilliert bei Tiroler Festspielen Erl mit Beethovens 9. Symphonie
Von Moni Brüggeller
Gustav Kuhn zündelt gerne. In allen Bereichen. Er kokettiert mit dem Ruf des „bösen Buben“. Samstag Abend aber war alles anders. Gustav Kuhn zündete mit Beethovens Symphonie Nr. 9 in d-moll einen Götterfunken. Die „Ode an die Freude“ wurde auch eine Ode an Erl, wo die Tiroler Festspiele vor nunmehr bereits zwölf Jahren mit offenen Armen aufgenommen wurden.
[…] Gustav Kuhn versteht es, die Intensität kontinuierlich zu steigern. Gustav Kuhn zeigt einen Beethoven mit vielen überraschenden Momenten und es gelingt ihm mit seinen exzellenten Musikern des Orchesters der Tiroler Festspiele Erl bei aller Dynamik auch Raum zu schaffen für feinsinnige lyrische Momente. Und gerade in diesen Momenten zeigt Gustav Kuhn seine Stärke: Das Leise hat Temperament! […] Bravo! Bravissimo!
Die Reaktionäre kommen im Heute an – Die Furche, 23.7.2009
Von Ursula Strohal
Gustav Kuhn, dieser Pygmalion der Musikszene, hat sich die Festspiele in Erl erschaffen, um Widerstand zu leisten gegen die Mechanismen des herrschenden Kulturbetriebs. Das Festival […] war heuer von besonderer Vielfalt. Kuhn inszenierte und dirigierte Strauss’ „Elektra“ als Wiederaufnahme, neu waren, in betont konträren Regiekonzeptionen, Wagners „Die Meistersinger von Nürnberg“ und Beethovens „Fidelio“. Sein längst berühmtes, strapazierfähiges Festspielorchester nützte Kuhn wie immer auch für Symphoniekonzerte. […] Als Regisseur ist Kuhn ruhiger geworden. Blödeleien werden zu Komik und kleine gesellschaftliche Racheakte werden konzeptuell gestützt. Das Erler Passionsspielhaus, in dem er festspielen darf, hat ihn als Regisseur wohl auch erzogen.
[…] Zum außerordentlichen orchestralen Ereignis wurde Ludwig van Beethovens „Fidelio“. Da erzeugt Kuhn, immer im Sinn von Beethovens Idealen, aber nie heroisierend, mit enormer dynamischer Bandbreite Herzklopfenmusik von außerordentlicher Spannung und Klangschönheit. Die dritte Leonoren-Ouvertüre, in die das Liebespaar regelrecht hineinschreitet, wurde mit einem Beifallsorkan beantwortet.
Ein Bozner Mahler-Experiment – Dolomiten, 15.10.2009
ERÖFFNUNGSKONZERT: Das Bozner Haydnorchester spielt Mahlers Neunte unter der Leitung von Maestro Gustav Kuhn (von Ferruccio Delle Cave)
BOZEN. „Als Persönlichkeit war Mahler in keiner Weise in 'Weltschmerz’ verfallen, sondern aktiv, heiter und tätig“, erinnert sich Otto Klemperer an Gustav Mahler und straft all jene Lügen, die uns glauben lassen wollen,
Mahlers Musik würde sich stets in Todesmetaphysik und Untergangsstimmung ergehen. Gut, dass es dem Bozner Haydnorchester gelungen ist, unter der Leitung von Maestro Gustav Kuhn in einer strukturell durchdachten Interpretation und sehr geschlossenen Aufführung von Mahlers „Neunter“ ein heiterelegisches
Mahlerbild nachzuzeichnen. War es doch für das Haydnorchester die erste Auseinandersetzung mit der 1909
im Toblacher Sommer vollendeten 9. Symphonie, dem übrigens letzten vollendeten Werk des großen Symphonikers. Seine „Neunte“ ist für das große Instrumentarium, vor allem aber für die Holz- und Blechbläser eine der heikelsten Orchesterwerke. Wie da etwa der forsche Rhythmus im „Allegro assai“ der „Burleske“ unbekümmert daherkam, zeugt von instrumentalem Können aller Orchestermitglieder und von deren engagierter Musikalität. Der feine Bogenstrich der Bratschen und Celli war gleichermaßen zu bewundern wie die von Anfang an beachtliche Intonation der Hörner und Klarinetten sowie der in Höchstlagen immer wieder auch solistisch agierenden Querflöten. Die gelungene Disposition der Streichergruppen im Orchester ist einer der
Schlüssel zum Erfolg dieses Bozner Mahler-Experiments unter Gustav Kuhn, der die Neunte bereits mehrmals mit wechselnden Orchestern gespielt und auf Schallplatte aufgenommen hat.
[…] Dass Gustav Kuhn mit seinem Orchester nicht dem Mythos von Mahlers „Abgesang“ in der „Neunten“ Vorschub leistete, ist ihm nicht hoch genug anzurechnen. Mit wohltuender Nüchternheit und doch ganz gesammelt und konzentriert ging der künstlerische Leiter des Orchesters an die ersten Takte des einleitenden „Andante comodo“, das von einer dissonanten und teilweise verzerrenden Agogik zeugt. Rational allerdings ist Kuhns Dirigat nie, es geht ihm eher um das Herausarbeiten der großen tonalen Linien. Der kaleidoskopartig ineinander verschachtelte Tanzcharakter des zweiten Satzes „Im Tempo eines gemächlichen Ländlers“ oder auch die langsam sich auflösende Musik des finalen Adagios waren wohl die Höhepunkte dieser durch und durch bedeutenden Bozner Aufführung von Mahlers „Neunter“, ein wahrlicher „Abschied vom „Abschied’“ und kein der Todessehnsucht verschriebenes Kunstwerk!
Delirium 2008
Brahms, 1. & 2. Symphonie (18.12.2008)
[...] Begonnen hat das „Delirium“ am Donnerstag mit der 1. und der 2. Symphonie von Brahms, zwei Kalibern, die Muße und Zeit brauchen, sich auf sie einzulassen, sich in sie zu versenken. Kuhn offeriert ein nach Maßen gelichtetes Klangbild, das im Großen Saal des Mozarteums dennoch mächtig und kompakt wirkt.[...] Das war wie eine andere Welt.
(Karl Harb, Salzburger Nachrichten, 20.12.2008)
[...] Gustav Kuhn interpretiert dieses Meisterwerk mit dem Ritual der emotionalen Register und mit einer ekstatischen Erregung, die vom Orchester musikalisch wunderbar gespielt wird [...]. Wundervoll ist überhaupt die aufwühlende Dichte, die jenseits von Routine im Tiefgang endet. […] Jubel! [...] Das leidenschaftlich virtuos spielende Orchester phrasiert herrlich und zeigt elegisch den romantischen Bewegungsfluss wie Winterstürme der Innerlichkeit. So natürlich, präzis, leuchtend, fast technisch vollendet habe ich das Orchester noch nicht erlebt. Singend noble Celli, auch die Kontrabässe sind höchst präsent. Ein phantastischer Oboist und das ganze Orchester spielt eine „Zweite Brahms“ von Weltformat mit Salzburger Ovationen im Mozarteum. (C.F. Pichler, Dolomiten, 20.12.2008)
Brahms, 3. & 4. Symphonie (19.12.2008)
[...] Wenn Gustav Kuhn und das Orchester dieses Klangportal zum Erklingen bringen, dann empfinden wir in doppeltem Sinne ein seelisches Raumempfinden, weil es den Musikern gelingt, aus der Partitur das feinsinnig Kammermusikalische glänzend in das symphonische Spannungsfeld einzubinden. Alles fließt massiv bei den aufsteigenden Tonfolgen und dichten Tempi, mit den zarten, aber intensiven Pizzicati der Streicher, über melodischen Bögen der exzellenten Bläser, und von ganz weit her entwickeln sich Crescendi, die natürlich erst am Schluss im Fortissimo kulminieren. Es ist ein aufregender Brahms mit riesenhaften Wellen, wobei die Wogen im leisen Herabsinken bei sachtem Ausklingen eine inkommensurable Wehmut aufkeimen lassen. Und wenn besonders die Bläsersoli im zweiten Satz sich wundersam den Streichern entgegenstellen, wenn Celli und Bässe im Piano verhallen, ehe die herrlichen Holzbläser das Kontemplative aus der Ferne aufleuchten lassen, dann erleben wir wieder nach dem stillen Abgesang einen dritten Satz von himmlischer Schönheit. Es substanziert sich ein homogenes Spiel, das zeigt, wie Kuhn den langen Weg mit dem Orchester zu seinem Brahms schreitet, der im vierten Satz mit drängender Spannkraft nicht zu exponiert, […] mit dosierter Wucht und mit den herabsinkenden Tremoli der Streicher melancholisch endet. [...] Kuhn zelebriert diese Musik des elegischen Aufbegehrens mit der Aura der tradierten Differenzierung und mit einer grenzdichten Dramatik, wo das Orchester wie hell vibrierendes Tageslicht spielt, auch weil es mit den solistischen Nahtstellen wieder vor einem begeisterten Publikum brilliert.
(C.F.Pichler, Dolomiten, 23.12.2008)
Beethoven, Missa Solemnis (20.12.2008)
Gustav Kuhn liebt das Monumentale, wenn er das Monument von Beethovens Missa Solemnis mit souveräner Klangekstase mit dem blendend aufspielenden Haydn-Orchester, der Chorakademie der Erler Festspiele und einem soliden Solistenquartett, als einladende Versöhnung in dieser dunklen, ja finsteren Zeit zum Erleuchten bringt. Es wirkt von sinnlicher Begriffenheit, wenn das majestätische Kyrie von den Choristen in die Soli übergeht und mit Ekstase im „et in terra pax“ beim Gloria furchlos enden. Das klingt wie eine nicht enden wollende Ergriffenheit, die wundervoll vom Orchester aufgegriffen wird. Ja, es ist überhaupt ein leidenschaftliches inniges und zeremonielles Spiel religiöser Beschwörung [...]. In Salzburg wirken die Klangmassen als fortschreitende, wunderbare Verklärung, wenn im Gloria sich alle solistischen Übergänge blendend mit den herrlich gesungenen Chorfugen ergreifend und packend schön bis zur unendlichen Stille verschmelzen. [...] Dann erklingt das Credo wie eine lyrische Schwelle für die Ewigkeit mit den mystischen Pianostellen und dem überwältigendem „et incarnatus est“, wo die Soloflöte das Orchester in die Verklärung treibt, bis die Chortenöre – etwas zu zaghaft – das „et resurrexit“ anstimmen. Aber genau hier bildet Kuhn eine wundervolle Klangbalance mit entschiedener Dynamik, die beim Sanctus mit einer überwältigenden Chorfuge zurück ins wunderbare, ja ergreifende orchestrale Kammerspiel mündet. [...] Das entzückende „Agnus“ beschwört am Ende die Grenzen des Liturgischen mit irdisch Versöhnlichem, und das ist ein Triumph im Mozarteum!
(C.F.Pichler, Dolomiten, 23.12.2008)
Beethoven, 9. Symphonie (21.12.2008)
[...] Dann setzt Gustav Kuhn seinen Maßstab mit einer teils tieflotenden Tempodifferenzierung und einer dramatischen Wiedergabe, wobei das Orchester mit ungeheuerem Elan, technisch einwandfrei dem Dirigenten folgt. Konturreich erahnen wir im fülligen Klang das Knisternde, wo fast aus dem Chaos die melodischen Spektren, sich vom begehrlichen Streicherklang über die immer besser spielenden Bläser ausbreiten und bei innigem Zusammenspiel, eine wundersame Intensität erstellen. Es geht gespenstisch zu, wenn rhythmische Freudenfeuer von poetischer Steigerung erglühen. Vor allem im aufblühenden Adagio, wo aus dem Erdfernen immer wieder wuchtig rezitativische Fanfarenstöße eindringen, verspüren wir eine sehnsüchtige Leidenschaft, wo Fagott und Oboe glänzen und das Solohorn fabelhaft spielt. [...] Mit den gut interpretierenden Solisten ersingen sie sich einen langen Jubel vom Publikum, welches am Ende das Orchester frenetisch akklamiert, weil es einfach wundervoll Beethoven spielt. (C.F.Pichler, Dolomiten, 24.12.2008)
[...] Bereits zum zweiten Mal fand heuer die Reihe „Delirium“ im Mozarteum Salzburg statt. Mit Brahms und Beethoven. Mit der „Ode an die Freude“ ließ Kuhn zum Abschluss die Götterfunken sprühen.
Man kennt sie, die 9. Symphonie von Ludwig van Beethoven. Man glaubt sie zu kennen. Denn Gustav Kuhn machte mit seinem Haydn-Orchester von Bozen und Trient die 9. Symphonie für viele zu einer Neuentdeckung. [...] Gustav Kuhn setzt bei seiner Interpretation auf Temperament. Und so wie Beethoven immer für eine Überraschung gut ist, so ist es auch Gustav Kuhn: Es war bemerkenswert, wie Kuhn das Unerwartete bei Beethoven herausarbeitete. Das zentrale Thema des 4. Satzes wurde bereits im 3. Satz – zwar versteckt, aber doch deutlich – angekündigt. Der Kontrast des fast romantischen 3. Satzes zu dem vehement gespielten 1. und 2. Satz zeigt die Gestaltungsfreude Kuhns. Die großartige Idee Beethovens, das zentrale Thema des 4. Satzes durch die Kontrabässe ankündigen zu lassen, inszeniert Gustav Kuhn lustvoll. Zu einem großen Moment Kuhnscher Klangdramaturgie wurde aber der Einsatz der Stimmen [...] und des Haydn Chors [...]. Das Resümee nach dieser „Ode an die Freude“: „Freude“ Schöner Götterfunken!“ Das Publikum bedankte sich bei den Künstlern mit Jubel und stehenden Ovationen!
(Moni Brüggeller, Kronen Zeitung, 24.12.2008)
"Gustav Kuhn, au pupitre, fait jaillir de ce chaos de symboles la simple et touchante humanité. Une soirée unique." /LE CANARD ENCHAINE, 2008)
"Une véritable féerie s´anime alors sous la baguette du chef Gustav Kuhn, qui a parfaitement senti et rendu la richesse des couleurs de l`orchestre straussien emporté par deux magnifiques solos de violoncelle et de violon au coeur des deux dernier actes." (EVENE.FR, TOUTE LA CULTURE, 2008)
„Frau ohne Schatten“ i soften cited ba opera-bashers who poh-pooh all libretti as nonsense......In the current Opéra Bastille production, the score is handled extremely well by conductor Gustav Kuhn. Under the Austrian maestro, the Opera de Paris orchestra delivers with taste and precision. (PARIS UPDATE, 2008)
Nicht schon wieder alle Neune Beethovens . . . - Doch: Diese Aufnahme steht dafür wie kaum eine andere aus jüngerer Zeit. Gustav Kuhn hat den Interpretationsstaub weggeblasen. Und dirigiert Ludwig van Beethovens Symphonie-Kanon, wie man ihn noch selten gehört hat. Kuhn ist ein Pult-Berserker, ein Überzeugungstäter. Wenn er ein Werk gegen den Strich bürstet, dann nicht, um damit aufzufallen oder nur, um aus Laune heraus etwas justament Anderes zu machen, sondern weil er dafür musikalische Gründe hat. Der Zuhörer mag da schon auch zusammenzucken: Hat Beethoven den Bläseransatz wirklich so hart gemeint? Und wollte er manches Tempo wirklich so unerbittlich durchgezogen?
Der Blick in die Partituren macht dann aber sicher: Kuhn weicht von den Noten nicht ab. Und dirigiert einen Beethoven, der wirklich unverbraucht ist. (WIENER ZEITUNG, 2008)
Und gerade ist da noch ein ungemein lebendig und energievoll musizierter "Neuner"-Reigen unter dem Dirigenten Gustav Kuhn herausgekommen, der all jenen gefallen wird, die sich nicht mit gefurchter Stirn über Beethovens Metronomisierungen und Temporelationen den Kopf zerbrechen wollen (col legno WWE 60007). .... Kuhns Beethoven verlässt dagegen das alte Österreich mit all seinen Schönheiten nicht. Ja, wunderschöne Musik ist da wieder zu hören, besonders in der "Pastorale". Von der "Dritten", der "Eroica", ist bekannt, dass man sie sowohl nach vorn als auch nach hinten - zeitlich gesehen - spielen kann: als große Ausfahrt ins neue "romantische" Jahrhundert oder aber mit dem klassischen Rückblick auf den späten Haydn, wobei es dann an den Nahtstellen des gespannten Ausdrucks gehörig rumoren muss. Kuhn ist freilich kein Aufrührer. Sein Beethoven-Bild hält Maß, besitzt Ausdruck und Empfindung. Von Goldschnittklassik ebenfalls keine Spur. Auch nicht von jenem Beethovendelirium, als das Kuhn seine vorweihnachtlichen Live-Konzerte im Salzburger Mozarteum annoncieren ließ: Die Gipfelbesteigung erfolgte dann in heller, klarer Luft. (FAZ, 2008)
(…)Der Newcomer: Beethoven: 2. & 7. Symphonie. Haydn. Orchester von Bozen und Trient, Gustav Kuhn (Col Legno). Italienische Orchester, die auf Spitzenniveau spielen, sind rar. Doch der Auftakt zum Beethoven-Zyklus des Haydn Orchesters von Bozen und Trient begeistert. Alpine Höhenluft strömt durch die Partitur, reißt mit sich zu Rausch oder tiefer Einsamkeit. Das Orchester als verschworene Seilschaft. (Tagesspeigel 2007)
In Salzburg wird in der nächsten Woche zu einem „Beethoven-Delirium“ gebeten. Auch auf Tonträgern erlebt der „Titan“ einen fast beängstigenden Boom. (…)
Gustav Kuhn trägt selbst zur Gesamtschau der Symphonien durch die Sorgfalt der Darstellung, durch einen genau ausgehorchten und ausbalancierten Klang, durch nie überhetzte Logik und Genauigkeit der Argumentation und durch ein hoch motiviertes, frisches Orchester Wesentliches bei. (SALZBURGER NACHRICHTEN, 2007)
..Ein Marathon-Maestro, keine Frage. Aber man tut Kuhn Unrecht, wenn man ihn wegen seines Spielplans belächelt. Er ist ein Sanguiniker unter den Wagner-Dirigenten. Sogar die „Götterdämmerung“ wirkt bei ihm hell im Klang und freundlich in den Proportionen, als stamme sie vom mittleren Richard Strauss. Kuhn beherrscht sein Handwerk.
(OPERNWELT, 2007)
A quick number-plate check of the cars lined up outside before a performance is like a lightning trip through Europe: Austria, France, Italy, Germany, Belgium, Lichtenstein. But in the open courtyard in front of Erl’s Passionsspielhaus the impression broadens. New Zealanders, Scandinavians and Koreans have also made the pilgrimage to the Tyrol’s answer to Bayreuth.
Not that Gustav Kuhn, the hyperactive conductor who founded the festival in 1997 and since then has staged, lit, organised and conducted all his own productions in its July season, is likely to warm to the idea of Erl as a little Alpine Bayreuth. He would probably prefer to see Bayreuth as an overblown, time-worn second- best to Erl. (FINANCIAL TIMES, 2007)
Auch als Regisseur übt sich Kuhn diesmal in vornehmer Zurückhaltung, schafft es aber immer wieder, mit einfachsten Mitteln große Wirkung zu erzielen und alte Klischees gekonnt zu umschiffen. Die heilige Taube etwa gibt es bei ihm nicht, dafür einen Schwan, der in Gestalt einer Tänzerin Parsifal nach langer Irrfahrt wieder zurück zum Gralstempel führt. Den titelgebenden reinen Toren verkörperte Michael Baba, der sich die Partie klug einteilte und dabei nie seine Vergangenheit im lyrischen Fach verleugnete. (MÜNCHNER MERKUR, 2006 )
3 L'orchestre. Là où Bayreuth rassemble la crème des orchestres allemands, l'Orchestre des Tiroler Festspiele est la réunion estivale de jeunes musiciens venus de toute l'Europe. Pas de fosse sous la scène, ici, et pas de fosse du tout même: l'orchestre est placé derrière la scène, comme la poupe d'un navire dont la salle serait la proue. Une solution choisie aussi pour le Ring de Liège, mais ici sans aucune perte acoustique, le chef et les premières cordes étant presque de plain- pied avec les chanteurs. (LA LIBRE BELGIQUE, 2006)
Deshalb Erl - und weil Erl einfach anders ist. Anders als der sommerlich festspielglänzende Rest Österreichs und ganz anders als zum Beispiel Bayreuth. Denn Erl ist Gustav Kuhn, und Gustav Kuhn ist Erl, jedenfalls von Anfang Juli bis Ende August. In diesem Jahr spielen sie hier zum dritten und letzten Mal Wagners Ring des Nibelungen. Kuhn ist der Kopf und Kuhn steht am Pult und Kuhn inszeniert. (DIE ZEIT, 2005)
Son "remplaçant", l'Autrichien Gustav Kuhn, ne dirige pas mieux Mozart parce qu'il est né à Salzbourg. Mais parce qu'il le fait sans ambages, consent à la respiration de la phrase, à la sensualité des timbres, bref, ne fait pas de la partition une parturition. Le maniérisme quasi masochiste de Daniel Harding, sa vision sismographe épileptique, froissait et crispait le grand "legato" scénique mis en oeuvre par Chéreau. (LE MONDE; 2005)
Eine Überraschung bot der für Daniel Harding eingesprungene Dirigent Gustav Kuhn, dem es mit dem vor allem in den Holzbläsern exzellenten Pariser Opernorchester gelang, jede Facette der Musik dramatisch auszuleuchten, ohne dabei in schönfärbende Effekthascherei zu verfallen. (ABENDEZITUNG, 2005)
„In Siegfried ging der grösste Applaus nicht an die übrigens gut gesungene, schwere Titelpartie, sondern an das Solohorn – man muß den 22-jährigen Hornisten Ionut Podgoranu gehört haben um dieses Wunder zu verstehen. In der Götterdämmerung brillierte Duccio dal Monte als hagen – was nur deswegen überraschen kann, weil notorische Bösewichte selten in der Gunst des Publikums stehen; Dal Monte sang und spielte jedoch wirklich grossartig, auf Bayreuth-Niveau." (RADIO FRANCE, 2004)
„Kuhns casting and performance philsosophy for the Erl project goes right back to Wagners own times taking in account the voice-types of the period. After all Wagners operas pre-date verismo but are contemporary with the height of belcanto – the voices available to him would have been familiar with the challenges of Bellinis Norma for instance. What make the vocal qualities of the Tiroler Festspiele Erl so special are the acoustics of the auditorium alloyed to the positioning of the orchestra behind the singers. These enables Kuhn to employ lighter, younger (and one could say more inexperienced) singers who can undertake the huge challenges of the Ring free from the concerns of long-term vocal damage that is so often the result of Wagner performance in other, less sonically sympathetic, environments. Of course success is not 100% but given that whole project is a work-in-progress, Kuhn continues to work with singers supporting their ongoing development.” (THE OPERA CRITIC, 2004)
Da schwärmen die Leute wortreich über Bayreuths mystischen Abgrund und den geheimnisvollen Mischklang, und dann offenbart in Erl unter vergleichsweise primitiven technischen Bedingungen die Musik ganz einfach und ohne viel Rederei ihre Größe, Schönheit und dramatische Gewalt, und das nur, weil hinter allem die Besessenheit und der Wille eines kompetenten Künstlers steht. (OPERNWELT, 2003)
Was man in dem idyllisch gelegenen Tiroler Passionsspielort erleben konnte, nämlich erstmals den kompletten Ring des Nibelungen, war der Triumph der Provinz über die Provinz: Erl über Bayreuth. Während Jürgen Flimms vierter Ring-Aufguss nach wie vor nicht sehr überzeugen konnte, erlebte man in Erl vor, auf und hinter Bühne ... durchaus einige Sternstunden ... Kuhn ist zumindest in diesem Jahr eindeutig Punktsieger. (DER STANDARD, 2003)
„Ohne Nothung“
Erler Königsweg: Gustav Kuhn und seine eigenwillige „Walküre“
„Musikalisch beeindruckt das Orchester der Tiroler Festspiele durch lyrische
Eleganz, später durch intonationssichere Kraft. Mit Duccio dal Monte als
Wotan und der (zwar nicht ganz wortverständlichen) Elena Comotti als Brünnhilde
kann Kuhn zwei Stimmen aus seiner Accademia di Montegral vorführen, um
die ihn jedes Opernhaus der Welt beneidet“ (Süddeutsche Zeitung,
24. Juli 2002).
Wagner in Tirol
Die Expansion des Marktes für große Events
hat offensichtlich eine Lücke entstehen lassen, in der sich Möglichkeiten
für regionale Nischenprodukte auftun.
„Kuhn zählt zu den Ausnahmeerscheinungen des Musikbetriebs: In den
achtziger Jahren als Kandidat für bedeutende Positionen gehandelt, hat
er sich selbst immer im eigenbrötlerischen Abseits angesiedelt. Vor gut
zehn Jahren hatte er sich in den Kopf gesetzt, dem Macerata-Festival durch junge
Sänger in großen Rollen neue Impulse zu verleihen. Nach vier Jahren
scheiterte der Traum, gemäß Kuhn am provinziellen Bürokratismus
der Politik. Seit 1997 ist der Dirigent nun dabei, diesen seinen Traum, ein
Festival nach eigenem Gusto zu machen, nördlich der Alpen zu verwirklichen“
(Neue Zürcher Zeitung, 2002).
Kraftwerk
Für eine Karriere nach Maß taugt mancher Musiktalentierte nicht.
Zum Beispiel die Multibegabung Gustav Kuhn, als Organisator, Regisseur und Dirigent
der Erler Festspiele im Tiroler Inntal ein kulturelles Kraftwerk, das sich nicht
auf gegebene Institutionen, sondern eigenen Gründer- und Unternehmungsgeist
verlässt. In der Fähigkeit, junge Musiker zu begeistern und an sich
zu binden, ähnelt er (ja, man muß schon in die Großvätergeneration
zurückgehen für diesen Vergleich) dem besessenen und innovativen Hermann
Scherchen, aber selbstverständlich nicht dessen zuchtmeisterlich-kapellmeisterlichen
Preußentum (Frankfurter Rundschau, 2001).
Sternstunde der „Musik-Magier“
Gustav Kuhn ist ekiner, der sich einordnen lässt. Er ist einer, der Überraschungen
liebt und auch vor dem Abenteuer und der Konfrontation nie zurückschreckt.
Das hat er Sonntag Abend bei den Tiroler Festspielen im Passionsspielhaus in
Erl einmal mehr bewiesen. Werke von Johann Strauss, Franz von Suppé und
Richard Strauss hat Kuhn insProgramm genommen. Wie passt da eine Uraufführung
des jungen Tiroler Komponisten Franz Hackl, der in New York lebt, dazu? Diese
Frage stellten sich vor Beginn sicher viele. Die Antwort nach dem Konzert war:
Genial! (Tiroler Krone, 2001).
Heimstatt der Entdeckungsfreude
Im mit etablierten Musikinstitutionen löcherig
bestückten, gleichwohl erzmusikalischen Italien fand Kuhn eine weitere
Heimstatt für seine entdeckungsfreudigen Aktivitäten. Editorischen
Niederschlag findet vieles davon in CD-Dokumenten, die ihren Mangel an Perfektion
durch Lebendigkeit der Wiedergabe und frische, unverbrauchte Interpretennamen
wettmachen. Die Live-Aufnahme der Richard Strauss-Oper Ariadne auf Naxos (Arte
Nova 74321 77073 2) entstand im ehrwürdigen Teatro di San Carlo in Neapel
und mit dessen wohleinstudiertem Orchester sowie einem internationalen Sängerensemble,
das sich bemüht, die Diktion Hugo von Hofmannsthals gut über die Rampe
zu bringen. Die sängerischen Qualitäten sind etwas unterschiedlich,
aber zumindest die Koloraturen-Feinschliff bietende Zerbinetta von Aline Kutan
und alan Woorow können mit prominenteren Rolleninhabern konkurrieren. In
beiden Teilen des intrikaten Werkes achtet Kuhn auf bewegliche, nuancierte Artikulation
und schwungvolle Steigerungen (Frankfurter Rundschau, 2001)
Das Requiem von Verdi
Live aus Erl mit Orchester und Chor des Festivals.
CD-Rezension: Requiem von Verdi. Von den rund 40 existierenden Aufnahmen ist
das eine der besten. Endlich ein wirklich homogenes Solistenquartett (Michaela
Sburlati, Nadja Michael, Shigehiro Sano, Xiaoliang Li), das ausdrucksvoller
Italianità fähig ist. Endlich wieder Frömmigkeit und Demut
statt plakativer Operngesten. Endlich ein Dirigent, der Musik und Sänger
atmen, sich selbst Zeit lässt“ (Kurier Wien, 1. Juli 2001).
Die Walküre
Szenisch erlebt man das Geschehen als frisches, unbeschwertes
Spiel. .... Vor allem jedoch ist es Gustav Kuhns Arbeit mit dem Orchester, welche
dem Abend den Charakter des Atemraubenden, Außergewöhnlichen sichert.
Das Orchester sitzt hinter der Szene, auf einem tribünenartigen Aufbau,
in einer riesigen Besetzung - und dennoch klingen die Liebesklänge so farbenreich,
so zart und filigran, dass man keine Sekunde missen möchte. (Musik &
Theater, 2001)
„Sechs Harfinistinnen spielen Feuerzauber“
Rote Roben, rotes Leder, roter Rhein: In Erl vollendet Gustav Kuhn mit der Walküre
seinen Ring des Nibelungen.
„Gustav Kuhns „Walküre“ bietet also durchaus auch kritische
An- und Einsichten, die über die reine Erzählung der Handlung hinausreichen,
die auch ohne analytische Interpretation genug Spannungspotential bietet. Schließlich
existiert ja auch noch das Orchester, das die Geschichte begleitet, miterzählt,
in feiner Klangpsychologie oft vorausnimmt und spiegelt, wie in der ersten Begegnung
von Siegmund und Sieglinde. Der Dirigent Gustav Kuhn kann mit dem Tiroler Festspielorchester
über ein vollbesetztes Ring-Orchester gebieten. Wie schon gewohnt, thront
es hochaufgeschichtet auf Stufen hinter der Szene, leicht verdeckt durch einen
durchsichtigen Schleier“ (Frankfurter Allgemeine, 2001).
Nach Walhall per Mountainbike
Die Walküre, Gustav Kuhns “Ring”-Schlussstein in Erl
„Erl: ein Gelingen aus dem Stand, aber vor dem Hintergrund einer gesicherten
Wagnerrezeption, die aus dem (auch institutionell) Ungesicherten neue schöpferische
Kräfte bezieht und den gesamten Korpus des Wagnererbes zu befruchten im
Stand ist“ (Frankfurter Rundschau, 2001)
Wagner auf der Alm
Das ambitionierte Projekt des überaus engagierten Gustav Kuhn, Wagners
monumentalen Ring-Zyklus in Eigeninitiative auf die Passionstheaterbühne
auf der Alm zu wuchten, fand in diesem Jahr seinen ersten Abschluss:
Als letzter fehlender Teil erhielt „Die Walküre“ ihre umjubelte
Neuinszenierung; und erneut fand auch das von Kuhn dirigierte, ausgewogen musizierende
Orchester seinen Platz auf der Bühne. Der vom Dirigenten selbst mit überzeugenden,
einfachen Mitteln in Szene gesetzte Ring - zum Feuerzauber gruppieren sich die
sechs Harfen im Rund um die aufgebarte Brünnhilde - soll im Jahr 2003 erstmals
zyklisch aufgeführt werden. (Das Opernglas, 2001)
Götterdämmerung
Den dritten Teil in Erls unorthodoxer Reihenfolge der „Ring“-Tetralogie,
die Götterdämmerung, „zimmerte“ sich Regisseur und Dirigent
Gustav Kuhn aus dem Holz zurecht, das .... die originäre Basis einer Wagner-Oper
zum Anfassen, zum Miterleben für Jedermann bot. .... Von dem grandiosen
orchestralen Fundament ausgehend ..., entwickelte sich ... ein immer mehr elektrisierendes,
unmittelbar nachvollziebares Musiktheater von mitreißender Spannung. (Orpheus,
2000)
Siegfried
„Und was Kuhn an Sängern zu bieten hatte, war so staunenswert, dass
es an ein Wunder grenzte! Jahrzehntelang hatte man der Mär geglaubt, nur
Bayreuth vermöchte, notdürftigst, den schmalen Pool fähiger Wagnersänger
aus aller Welt an sich zu binden. In Erl zeigten überwiegend hochtalentierte
Debütanten, dass es glücklicherweise mehr erstklassigen Wagnergesang
gibt“ (Frankfurter Rundschau, 1999).
Das Rheingold
„...Kuhn hat, wie kaum ein anderer, einen direkten Draht zu Wagners Musik
und vor allem ein Gespür für die Tempodramaturgie. So wurde denn das
zentrale Ereignis der ersten Erler Festspiele tatsächlich zum Erlebnis“
(Opernwelt, 1998)