LEBENSLAUF

Geboren im steirischen Turrach und aufgewachsen in Salzburg, studierte Gustav Kuhn Dirigieren bei Hans Swarowsky, Bruno Maderna und Herbert von Karajan an den Musikhochschulen von Wien und in seiner Heimatstadt, promovierte aber an der Salzburger Universität gleichzeitig in den Fächern Philosophie, Psychologie und Psychopathologie. Bereits mit 24 Jahren gewann er den ersten Preis beim internationalen Dirigierwettbewerb des ORF. Den Grundstein seiner Karriere legte er von 1970–1977 als Chordirektor und Dirigent am Opernhaus in Istanbul, in der Folge wurde er 1. Kapellmeister am Opernhaus Dortmund. In dieser Zeit gastierte er auch schon in Palermo, Neapel, Bologna. Es folgten zunächst Gastdirigate in Rom, Florenz, Venedig, Zürich, kurze Zeit später dirigierte er die renommiertesten Orchester der Welt, darunter die Berliner Philharmoniker, die Dresdner Staatskapelle, das Israel Philharmonic, das London Philharmonic sowie das London Symphony Orchestra, das Royal Philharmonic Orchestra, das Orchestra Filarmonica della Scala in Mailand, das Orchestre National de France in Paris, die Accademia Nazionale di Santa Cecilia in Rom sowie das NHK Orchestra in Tokio, und nicht zuletzt die Wiener Philharmoniker.

1974 gründete er in Salzburg das Institut für aleatorische Musik. 1977 debütierte er an der Wiener Staatsoper mit „Elektra“ von Richard Strauss, 1978 an der Bayerischen Staatsoper und bei den Salzburger Festspielen. In der darauf folgenden Saison dirigierte er erstmalig am Royal Opera House, Covent Garden in London und wurde 1979 Generalmusikdirektor in Bern. 1980 eröffnete er die Festspiele von Glyndebourne. Bald darauf erfolgten die Debüts in den Vereinigten Staaten [1981 mit „Fidelio“ in Chicago], an der Opera in Paris [„Così fan tutte“, 1982], an der Mailänder Scala [„Tannhäuser“, 1984] und in der Arena von Verona [„Un ballo in maschera“, 1986].

 

Seit 1986 widmet sich Gustav Kuhn auch der Opernregie, um eine noch größere künstlerische Einheit zwischen optischem und musikalischem Erleben zu erreichen. So inszenierte und dirigierte u. a. „Der fliegende Holländer“ [Triest], „Parsifal“ und „La Bohème“ [Neapel], „Don Carlos“ und „Don Carlo“ [Turin], Da Ponte Trilogie [Festival di Macerata], Rossinis „Otello“ [Berlin, Braunschweig und Tokio], „La Bohème“, „Falstaff“ und „La Traviata“ [Tokio], „Capriccio“ [Parma].

 

Nach seinem Debüt als Opernregisseur mit Bühnen- und Kostümbildner Peter Pabst entwickelte er für die Suntory Hall in Tokio das Konzept der „Hall-Opera“. Den Salzburger Festspielen blieb er bis zum Jahre 1997 treu [Debüt 1978, 1980 „Figaro“, 1989 „Un ballo in maschera“, 1992, 1994 und 1997 „La clemenza di Tito“]. Von 1980 bis 1983 war Kuhn Musikdirektor in Bern [Konzerte und Oper], von 1983 bis 1985 Generalmusikdirektor der Oper der Stadt Bonn. In der Folge wurde er zum Chefdirigenten des Teatro dell’Opera in Rom und später zum künstlerischen Leiter des Teatro di San Carlo in Neapel ernannt.

 

Von 1990 bis 1994 hatte er die Leitung des Festivals in Macerata inne und im Anschluss daran die künstlerische Leitung der Filarmonica Marchigiana. Von Januar 2003 bis Dezember 2012 war er künstlerischer Leiter des Haydn Orchester von Bozen und Trient. Im Oktober 2013 dirigierte Gustav Kuhn zwei Aufführungen von Wagners „Parsifal“ in Peking. Ein ganz besonderes Ereignis, denn nie zuvor wurde Wagners Oper in China auf die Bühne gebracht.

 

Seit 1987 ist Gustav Kuhn künstlerischer Leiter des internationalen Gesangswettbewerbs „Neue Stimmen“ der Bertelsmann-Stiftung in Gütersloh. 1992 gründete er die Accademia di Montegral, die seit 2000 ihren Sitz im Convento dell’Angelo, Lucca [Toskana], gefunden hat. 1997 gründete Kuhn seine eigenen Festspiele in Erl. Nach mehreren Jahren der Arbeit an Wagners „Ring“ gingen die Tiroler Festspiele Erl 2005 erstmals auf Tournee [Santander] und produzierten in Erl den legendär gewordenen 24-Stunden-Ring. Im selben Jahr erklärte sich Dr. Hans Peter Haselsteiner bereit, die Präsidentschaft der Tiroler Festspiele Erl zu übernehmen. Sein Wirken ermöglichte den Bau des neuen Festspielhauses. Die feierliche Eröffnung des Festspielhauses erfolgte am 26. Dezember 2012.

 

Alljährlich wird die Sommersaison der Tiroler Festspiele Erl nun in der Zeit vom 26. Dezember bis 6. Januar um eine Wintersaison unter der künstlerischen Gesamtleitung von Gustav Kuhn ergänzt. Auf dem Programm stehen dann vornehmlich Werke des zeitgenössischen Repertoires, des Belcanto sowie Werke von Bach und Mozart, Komponisten, die Kuhn ganz besonders am Herzen liegen. Das Passionsspielhaus bleibt den Festspielen im Sommer als wichtiger Aufführungsort für die großen Werke von Wagner und Strauss beispielsweise erhalten. Mit der Inszenierung des „Lohengrin“ hat Gustav Kuhn im Juli 2012 seinen Zyklus der 10 großen Wagneropern in eigener Regie im Erler Passionsspielhaus abgeschlossen. Einer Einladung nach China folgend dirigierte Gustav Kuhn die Festspielproduktionen "Tristan und Isolde" sowie "Die Meistersinger von Nürnberg" im Oktober 2015 in Peking und den 24-Stunden-Ring in Shanghai.

 

Gustav Kuhns Kompositionen umfassen Orchesterwerke, Messen und Solostücke, großen Erfolg hatte auch seine Instrumentation von Janáčeks „Tagebuch eines Verschollenen“ an der Opéra National de Paris [erschienen bei Edition Peters]. 2007 bis 2011 gastierte er regelmäßig mit seiner Konzertreihe Delirium in seiner Heimatstadt Salzburg. Aufnahmen von Gustav Kuhn gibt es bei dem ihm eng verbundenen Label col legno, sowie bei BMG, EMI, CBS, Capriccio, Supraphon, Orfeo, Koch / Schwann, Coreolan, ARTE NOVA etc. Sein Buch Aus Liebe zur Musik erschien im Henschel Verlag.